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Ein Underdog und seine technischen Probleme

Icarex und Ex?

In der letzten Zeit sind nacheinander mehrere Icarex-Kameras bei mir gelandet. Teilweise als Geschenk, teilweise als Zugabe beim Kauf von etwas anderem - aber alle Exemplare hatten eines gemeinsam: sie waren alle mehr oder weniger defekt. Bei den Defekten zeigten sich ein paar Gemeinsamkeiten, die vermutlich typisch sind für diese Kameras:

  • Bei allen Exemplaren ließ sich der Belichtungsmesser zwar recht einfach reaktivieren - aber er war immer so dejustiert, das die ermittelten Werte mindestens 2-3 Stopps daneben lagen. Alle Belichtungsmesser zeigten deutlich zuviel Licht an!
  • Alle Icarex-Exemplare hatten deutliche Verschlußprobleme: Verschluß blieb offen stehen, lief zu langsam ab oder die Synchronisation der Verschlußtücher war komplett verstellt.
  • Fast alle Exemplare hatten Probleme mit dem Hemmwerk für die langen Belichtungszeiten. Das kann dazu führen, das die 1/30 Sekunde läuft wie 1/2 Sekunde oder der Verschluß bei den langen Belichtungszeiten einfach offen stehen bleibt.

Dabei ist die Icarex eigentlich keine schlechte Kamera - die Konstruktion ist solide und die Verarbeitung ist gut. Ein paar Details sind auch gut gelöst, so gefällt mir zum Beispiel die Ausführung der wechselbaren Mattscheiben bei der Icarex 35 in einer sauber gekapselten Form. So lassen sich die Mattscheiben leicht reinigen und das Risiko des Zerkratzens ist gering. Die Objektive zur Icarex sind zwar nicht übermäßig lichtstark, die Abbildungsqualität ist aber ziemlich gut.

Leider gibt es über die Icarex-Modelle kaum technische Informationen oder Reparaturanleitungen im Internet. Daher habe ich mich entschieden, meine Schraubererfahrung mit den "Zeiss-Ikon-Backsteinen" hier zu teilen.

Abnehmen des Gehäuse-Covers bei einer Icarex 35

Erster Schritt: Mit einer Skalpellklinge oder Ähnlichem das Ziercover aus Leder vorsichtig entfernen. Dann die Klebstoffreste auf der Schraube und auf der Leder-Rückseite mit Aceton entfernen. Das Aceton ein wenig einwirken lassen.

Jetzt die obere Mutter auf dem Aufzugshebel mit einem Spanner-Werkzeug lösen. ACHTUNG: diese Mutter hat ein Linksgewinde, man muss sie im UZS drehen, um sie zu lösen!

Jetzt kommt man zu einer Sicherungsmutter, die sich nur schwer greifen lässt. Ich habe mit dem Dremel ein kleines 1,1mm Loch genau gegenüber dem Ausschnitt gebohrt.

Vorsicht beim Bohren: nicht durchbohren und die darunter liegenden Teile beschädigen. Nun kann man die Mutter mit dem Spannerwerkzeug greifen und lösen. Achtung, Linksgewinde: Lösen im UZS!

Nun kann man die Ringe der Filmmerkscheibe entfernen und säubern. Die 3 Schlitzschrauben, die nun sichtbar werden müssen nicht entfernt werden, sie können mit der Aufzugsplatte nach oben herausgenommen werden.

Darunter befindet sich eine goldene Sicherungsscheibe, die mit zwei Schrauben. Schrauben lösen und mit der Sicherungsscheibe herausnehmen.

Hier wird es ein bisschen friemelig: unter der Sicherungsscheibe sieht man eine kleine Metallfeder, die eine kleine Kugel gegen den Aufzugsschaft drückt. Sie ist für das Rasten des Zeiteinstellrades zuständig.

Die kleine Feder und die Kugel müssen raus. Tipp: ich mache diesen Schritt in einem Klarsicht-Kühlbeutel, denn sonst fliegt die kleine Feder unkontrolliert durch Zeit & Raum!

Hier sieht man die kleine Kugellager-Kugel, die von der Feder gegen den Schaft gedrückt wird. Es ist eine gute Idee, diese Kugel so sicher wie möglich aufzubewahren, sie ist wichtig!

Wenn Feder & Kugel sichergestellt sind, kann man das Belichtungszeiten-Einstellrad nach oben abheben.

Jetzt zur linke Seite: Die Rückspulkurbel lässt sich leicht demontieren, wenn man die Filmpatronenhalterung in der Kamera festsetzt.

Achtung: Auch auf dieser Seite gibt es eine kleine, runde Metallmanschette, die eine Mini-Kugel an ihrem Platz hält. Beides vorsichtig entfernen und sichern.

Das Rasten der Merkscheibe für die Filmempfindlichkeit wird durch eine Feder und einen kleinen Stift ermöglicht. Diese Feder vorsichtig entfernen - ich empfehle auch hier den "Tiefkühlbeuteltrick"!

Jetzt noch den Sprengring entfernen, der die Merkscheibe auf der Welle fixiert. Dann kann man die Scheibe nach oben abnehmen.

Zum Schluss noch die 4 Schrauben rings um den Mattscheibenschacht lösen und man kann den oberen Gehäusedeckel abheben.

Zugegeben - es gibt Kameras, bei denen die Demontage des oberen Gehäusedeckels einfacher geht, als bei einer Icarex. Aber es ist nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Wiedereinsetzen der kleinen Kugeln klappt mit etwas Kugellagerfett problemlos. Das Wiedereinsetzen der kleinen Feder unter dem Aufzugshebel erfordert ein bisschen Übung, ist aber ebenfalls machbar.

Wo sitzt das Hemmwerk?!

Ein häufiges Problem bei den Icarex-Kameras ist der verzögerte Ablauf der langen Belichtungszeiten. Manchmal bleibt der Verschluß bei den langen Zeiten sogar komplett hängen und schließt nicht mehr. Ursache ist verharztes Fett im sog. "Hemmwerk". Auf dem Foto zeige ich, wo genau diese Mechanik sitzt. Wenn man sie sorgfältig mit etwas Feuerzeugbenzin und viel Bewegung reinigt und dann die kleinen Lager mit homöopathischen Dosen von Öl versieht, funktioniert sie oft wieder so, wie sie soll.

Die Icarex 35 und die Icarex 35S unterscheiden sich hier in Details geringfügig, aber der Grundaufbau ist gleich.

Kontaktproblem?

Den Schalter für den Belichtungsmesser an der Abblendtaste sollte man bei einer Icarex immer warten. Hier kommt es durch Schmutz und / oder Korrosion oft zu Kontaktproblemen. Die Schritte sind auf den Bildern zu sehen, ich verwende Teslanol um die Kontakte zu reinigen. Auftragen mit einem Q-Tip, Kamera mit Malerband schützen. Nie in die Kamera sprühen!

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