Die Icarex 35S ist das Nachfolgemodell der Icarex 35. Sie hat keine austauschbaren Sucher mehr, verfügt dafür aber über einen fest eingebauten Belichtungsmesser. Der Belichtungsmesser arbeitet mit einer Arbeitsblendenmessung - das bedeutet, während der Belichtungsmessung muss das Objektiv auf den anvisierten Blendenwert abgeblendet werden. Dabei besteht die Gefahr, das man den Zeiger des Messinstrumentes nicht mehr richtig erkennen kann - ein Problem, was viele Spiegelreflexkameras dieser Zeit mit Arbeitsblendenmessung hatten. Bei der Icarex 35S hat man das elegant gelöst: ein kleines Fenster in der Front der Kamera versorgt einen Leuchtrahmen um die Messanzeige mit Licht, so das auch bei dunklem Sucherbild die Anzeigenadel gut erkennbar bleibt. Nettes Feature! Um den Belichtungsmesser einzuschalten, muss man übrigens sowohl die Abblendtaste am Objektiv hereindrücken, als auch den Spannhebel ein Stück aus seiner Ruhestellung bewegen, sonst fließt kein Strom.
Mechanisch ist die Icarex 35S sehr ähnlich aufgebaut, wie ihre Vorgängerin. Bei der Demontage des Gehäuse-Covers gibt es aber ein paar wichtige Unterschiede, darum habe ich diesem Modell eine eigene Bildfolge zur Vorgehensweise erstellt.
Abnehmen des Gehäuse-Covers bei einer Icarex 35
Erster Schritt: Die Filmempfindlichkeit unbedingt auf 27 DIN / 400 ASA stellen, sonst beschädigt man beim Abnehmen des Gehäusedeckels die Mechanik! Die Filmempfindlichkeit wird am Rädchen um den Auslöseknopf verstellt.
Nächster Schritt: Mit einer Skalpellklinge oder Ähnlichem das Ziercover aus Leder vorsichtig entfernen. Dann die Klebstoffreste auf der Schraube und auf der Leder-Rückseite mit Aceton entfernen. Das Aceton ein wenig einwirken lassen.
Jetzt die obere Mutter auf dem Aufzugshebel mit einem Spanner-Werkzeug lösen. ACHTUNG: diese Mutter hat ein Linksgewinde, man muss sie im UZS drehen, um sie zu lösen!
Nach Entfernen der Mutter kann man den Aufzugshebel und die Zierscheiben abnehmen. Reihenfolge und Orientierung merken!
Die Scheibe mit den 3 Schrauben kann einfach nach oben abgenommen werden, die 3 Schrauben müssen nicht entfernt werden.
Darunter befindet sich eine goldene Sicherungsscheibe, die mit zwei Schrauben. Schrauben lösen und mit der Sicherungsscheibe herausnehmen.
Hier wird es ein bisschen friemelig: unter der Sicherungsscheibe sieht man eine kleine Metallfeder, die eine kleine Kugel gegen den Aufzugsschaft drückt. Sie ist für das Rasten des Zeiteinstellrades zuständig.
Die kleine Feder und die Kugel müssen raus. Tipp: ich mache diesen Schritt in einem Klarsicht-Kühlbeutel, denn sonst fliegt die kleine Feder unkontrolliert durch Zeit & Raum! Jetzt kann man das Zeiteinstellrad nach oben abnehmen.
Hier sieht man die kleine Kugellager-Kugel, die von der Feder gegen den Schaft gedrückt wird. Es ist eine gute Idee, diese Kugel so sicher wie möglich aufzubewahren, sie ist wichtig!
Unter dem Zeiteinstellrad kommt eine Schraube zum Vorschein, die entfernt werden muss.
Jetzt zur linke Seite: Die Rückspulkurbel lässt sich leicht demontieren, wenn man die Filmpatronenhalterung in der Kamera festsetzt.
Achtung: Auch auf dieser Seite gibt es eine kleine, runde Metallmanschette, die eine Mini-Kugel an ihrem Platz hält. Beides vorsichtig entfernen und sichern.
Hier sieht man die kleine Kugel, die unter der Manschette sitzt. Zum Wiedereinsetzen eignet sich eine kleine Dosis Kugellagerfett.
Jetzt noch den Sprengring entfernen, der die Merkscheibe auf der Welle fixiert. Das ist etwas fummelig, aber mit ein bisschen Geduld machbar. Kugel und Maschette unbeding vorher sichern!
Das Rasten der Merkscheibe für die Filmempfindlichkeit wird durch eine Feder und einen kleinen Stift ermöglicht. Diese Feder vorsichtig entfernen - ich empfehle auch hier den "Tiefkühlbeuteltrick"!
Jetzt die Filmmerkscheibe nach oben abheben
Darunter befindet sich noch eine Gehäuseschraube, die gelöst werden muss. Danach kann man den Gehäusedeckel vorsichtig abnehmen
Beim Abheben des Deckels nochmal kontrollieren, ob die Filmempfindlichkeit auf 400 ASA steht - sonst werden die Skalenscheiben unter der Anzeige verbogen!
Im Gehäusedeckel ist ein Stück Schaumgummi eingeklebt, was sich im Laufe der Jahre auflöst und die Mechanik "vollbröselt". Sofort ersetzen und die Mechanik ausblasen!
Nach Entfernung eines Klebestreifens lässt sich das Prisma ohne weitere Schrauberei herausnehmen und reinigen. Auch die Mattscheibe ist jetzt gut zugänglich - aber Vorsicht mit dem Zeigerinstrument!
Wo sitzt das Hemmwerk?!
Ein häufiges Problem bei den Icarex-Kameras ist der verzögerte Ablauf der langen Belichtungszeiten. Manchmal bleibt der Verschluß bei den langen Zeiten sogar komplett hängen und schließt nicht mehr. Ursache ist verharztes Fett im sog. "Hemmwerk". Auf dem Foto zeige ich, wo genau diese Mechanik sitzt. Wenn man sie sorgfältig mit etwas Feuerzeugbenzin und viel Bewegung reinigt und dann die kleinen Lager mit homöopathischen Dosen von Öl versieht, funktioniert sie oft wieder so, wie sie soll.
Die Icarex 35 und die Icarex 35S unterscheiden sich hier in Details geringfügig, aber der Grundaufbau ist gleich.
Kontaktproblem?
Den Schalter für den Belichtungsmesser an der Abblendtaste sollte man bei einer Icarex immer warten. Hier kommt es durch Schmutz und / oder Korrosion oft zu Kontaktproblemen. Die Schritte sind auf den Bildern zu sehen, ich verwende Teslanol um die Kontakte zu reinigen. Auftragen mit einem Q-Tip, Kamera mit Malerband schützen. Nie in die Kamera sprühen!
Icarex-Links
Es gibt im Netz zwar nicht viele Informationen zu Service und Technik der Icarex-Kameras, aber ein paar Seiten mit Informationen zu Ausstattung und Bedienung seien hier erwähnt:































Webseite auf Deutsch
Website in English
Hemsida på svenska